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Kaltes Deutschland: wärmen Sie sich fremd!

5. April 2013

Wenn wir in Deutschland gerade etwas bitter nötig haben, dann ist es Wärme – oder zumindest das Gefühl davon, das sich notfalls auch beim bloßen Betrachten sonnengeliebter Menschen einstellen kann.

Zeit also für ein kleines Hitzervideo von Time for T – einer Folk/Funk/Blues-basierten Band mit britisch-algarvischen Wurzeln -  die sich eines warmen Augustnachmittages letztes Jahr aufmachte, der Schönheit Barão de São Joãos, einem kleinen Dorf am äußersten Zipfel Europas, ein Loblied zu singen.

Genauer: dem Algarve-Sommer, der Wärme, dem Himmel, den hitzetrunkenen Geckos am Wegrand, der Liebe, dem Atlantik, dem Meerschaum, der salzgetränkten Luft, der Macchie, den wilden Hunden, der Freundschaft und dem Wind.

“It′s such a beautiful day on this side of the world!”

 

Nun sollte Ihnen eigentlich schon etwas wärmer sein.

Des Portugiesen liebstes Fischlein

27. März 2013

Des Portugiesen liebster Speisefisch ist mit geschätzten 1000 Rezepturen nach wie vor der „bacalhau“, eine Kabeljauart, die allerdings in den heimischen Gewässern gar nicht vorkommt, und daher vor der norwegischen Küste aus dem Meer gefischt werden muss.
Danach auf Platz 2 rangiert auf jeden Fall die kleine, flinke Sardine – des Portugiesen liebste Vor-, Zwischen, – und Hauptmahlzeit: im Schuppenkleid auf dem Holzkohlegrill sorgfältig angebrutzelt, dann auf eine Scheibe Weißbrot gebettet, sodass ihr Öl die weiche Unterlage tränkt – Mund auf, und rein damit, so wie sie ist. Der sardinenfreudige Algarvio entfernt dabei noch nicht einmal ihren Kopf.

Ausgezeichnete Sardinen 2012

Ausgezeichnete und zur Werbung verwendete  Sardinen 2012

Seit 10 Jahren nun wird im Rahmen der „Festa de Lisboa“ ein Sardinengestaltungswettbewerg ausgeschrieben: Wer designed, malt, kleidet am schönsten die Sardine aus? (Der Umriss ist vorgegeben)  – mit einer wachsenden Beteiligung von kleinen und großen Künstlern aus aller Welt.

Sensationelle 6446 Einsendungen von 53 Nationalitäten gab es in diesem Jahr; Kreative im Alter von sieben Monaten bis 92 Lenzen machten sich an die Arbeit – und 10 davon sind nun prämiert worden: sieben Portugiesen, ein Italiener, eine Chilenin und Herr?, Frau? Yuichi Fukuda aus Japan.

Neben 1000 Euro bar auf die Hand werden die Werke  im Mai und Juni, während des alljährlich stattfinden Lissabon-Stadtfestes in Form von Riesendisplays das Zentrum schmücken, sowie als Gestaltungselemente die vielfältigen Werbemedien des Veranstalterst zieren.  Wer will, kann hier schonmal einen Blick auf die ausgezeichneten Sardinen 2013 werfen.

Und wer sich im nächsten Jahr am Wettbewerb beteiligen  will, schaue am besten so Ende diesen Jahres auf dieser Website vorbei.

Karneval in Sagres naht wieder! Feiern Sie mit!

17. Januar 2013

Und damit Sie diesmal noch Zeit genug haben, einen Flug an die Algarve zu buchen, stell ich die Bekanntmachung für den Zug in Sagres schon heute ins Netz:

karnevalposter sagres13

Über die Veranastaltung an sich schrieb ich ja schon im letzten Jahr: das noch sehr ursprüngliche, sehenswerte  Flair und auch die bemerkenswerte Länge des Zuges – dieses Jahr wird deshalb dahingehend vorgebeugt, indem die Plakate schon jetzt geklebt sind mit der eindeutigen Aufforderung, sich zu beteiligen, denn unter 5 Anmeldungen findet der Karneval in Sagres 2013 nicht statt!

Also, Karnevalisten aus dem Rhein- und Mainland – wie wär’s? Wollen Sie sich nicht am Europas-End Karneval beteiligen? Willkommen sind Wagen, Fußvolk und auch Minigruppen. Ein Motto sollte es schon geben (beispielsweise als englische Touristen mit Sandalen, Tennissocken und Verbrennungen zweiten Grades) – und bringen Sie auch reichlich Bonbons zum Werfen mit, das kennen die Portugiesen nämlich nicht.

Das Wetter: mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit wird es sehr gut sein, warm, wolkenlos und kurze-Ärmel-sonnig – Angoraunterwäsche unter dem Bikini wird deshalb nicht von Nöten sein. Anmelden können Sie sich unter crisagres@gmail.com.

Algarve im Oktober: köstliche grüne Clementinen-Tangeras!

2. November 2012

September, Oktober ist die Zeit, wo überall an den Straßen Zitrusfrüchte angeboten werden. Wir waren am Wochenende im Baixo Alentejo (haben sie den See gefunden, haben Sie gefragt?) und passierten einen Zigeunermarkt. Die sind ja an jedem Tag der Woche in einem anderen Dorf oder einer anderen Stadt anzutreffen und zeichnen sich ersteinmal durch weithin sichtbar im Wind wehende Kleidungsstücke aus.

Langgezogene Stände mit Schattendach und Massen an Hosen, Jacken, Hemden, Unterwäsche, Tischdecken, Bettvorlegern etc, die sorgsam nebeneinader aufgereiht, den gesamten Lagerbestand präsentieren. Für jede Altersgruppe: von der rosaplüschigen Säuglingsbekleidung bis hin zum ähnlich gestalteten Senioren-Hausanzug. Ein Grund übrigens warum auf diesen Märkten immer soviele Pantoffeln ausliegen: die sind ein unabdingbarer  Bestandteil der Portugiesischen Haushalte mit ihren Steinböden. Ohne würden einem im Winter vor Kälte die Füße abfallen und eine Blasenentzündung die nächste jagen.

Zwischen dem ganzen Gewusel gibt es jedoch auch immer wieder Stände von Einheimischen, die hier die Erträge ihrer Felder anbieten. Obst und Gemüse, manchmal auch selbstgepresstes Olivenöl in den praktischen 5-liter Wasserflaschen, getrockneten Oregano oder zitronigen Verbenentee – das Lieblingsgetränk der portugieischen Kinder, bevor Cola und Fanta Einzug hielten.

Clementinen - Tangeras

Außen noch grün – innen noch köstlich!

Wir kauften Tangerinen, gleich fünf Kilo, weil sie köstlich waren! Noch ganz grün, sahen aus wie Limonen und schmeckten ähnlich: sauer, zitronig, erfrischend und trotzdem süß. Ich kam kaum mit dem Pellen nach, da wurde mir schon die nächste, saftige Frucht aus den Händen gerissen.

Und nun ein kleines Vokabeltraining;
Mandarinen gibt es in Portugal nicht, zumindest nicht das Wort, obwohl man das annehmen könnte. Mandarine heißt auf Portugiesisch “tangerina”, wohingegen die “tangera” die deutschbezeichnete Clementine ist. “Toranja” ist die Pampelmuse und “laranja” die Orange. Das ist noch am einfachsten zu merken, weil der Name wie im Deutschen die Farbe bezeichnet, nur daß man im Portugiesischen “cor (Farbe) de laranja” spricht.

Die Tangeras vom Wochenende schmeckten übrigens nur grün so exzellent, zu Hause fingen sie direkt an nachzudunkeln, bzw oranger zu werden und somit den Geschmack anzunehmen, den man auch in Deutschland von Clementinen kennt.

Wer fragt, der findet! Schildkrötensee bei Odemira

26. Oktober 2012

Sie haben ein Ferienhaus an der Westalgarve gemietet und wollen mal zur Abwechslung vom salzigen Meer in Süßwasser schwimmen?

Zwischen Odemira und Sao Luis – soviel darf ich verraten – liegt der (Geheimtipp!) Schildkrötensee. So heißt er nur bei den Deuschen, die Portugiesen haben eine andere Bezeichnung. Direkt an einer alten Talbrücke geht es rein, eine schreckliche Piste, selbst im trockenen Spätsommer gibt es noch einige Matschfurten, die durchquert werden müssen. Die letzte sparen wir uns dann, zu groß die Gefahr, in dieser Wildnis stecken zu bleiben, wo natürlich auch kein Funknetz vorhanden ist.

Also zu Fuß weiter, aber nur noch ein kleines Stück. Sieh an, der Platz ist freimachetet worden, und es gibt sogar eine Grilltonne auf einem Holzgestell!  Ein großes Hinweisschild bittet außerdem darum, den Platz sauberzuhalten und keinen Müll in den See zu werfen, das macht man ja sowieso nicht, aber es ist zuweilen gut, daran erinnert zu werden.

Foto Schildrötensee

Am besten durchquert man den Bach und sucht sich dann eine Stelle, an der man sich vorsichtig! ins Wasser gleiten läßt. Der See hat sich in einem natürlichen Felsbecken gebildet, was zackiges, scharfkantiges, wildes Naturpanorama über, allerdings auch unter der Wasseroberfläche bedeutet.

Man schwimmt zwischen sich auftürmenden Felswänden – weiches, kühles, ungemein wohlriechendes Gebirgswasser – ein langgezogenes natürliches Becken entlang, das am Ende in einem flachen Bergbach ausläuft (eigentlich ist es umgekehrt, der Gebirgsbach mündet in den See),  oder noch besser: gleitet auf einer Luftmatratze dahin – über sich nur Himmel, Sonne und Steingezack.

Nach dem Baden Kraxeln

Danach trockensonnen in einer Gesteinsmulde und eventuell eine kleine Klettertour den Bach entlang, bis es ohne Bergsteigerschuhwerk nicht mehr weitergeht. Lauschige Plätze! Natur pur!

Vokabelfalle Portugiesisch: wo ein closet noch lange keine Toilette ist.

19. Oktober 2012

Wenn Sie in einem unserer Ferienhäuser an der Algarve Urlaub machen, ist es garantiert nicht verkehrt, etwas Portugiesisch zu können, bzw. zu wissen, wo Sie am besten und schnellsten eine gute Übersetzung erhalten. Deshalb möchte ich Ihnen heute an dieser Stelle einmal das Portugiesisch Online-Wörterbuch vorstellen, mit dem ich immer arbeite. Es ist die österrreichische Seite pauker.at.

Der Mensch, der sie programmiert hat, sagt über sich selbst, daß er die Kommunikation von Sprachlernwilligen untereinander fördern und zum Miteinanderlernen aufrufen wollte. Das ist ihm gut gelungen, denn jeder, der ernsthaft daran interessiert ist, eine Fremdsprache zu sprechen, bzw. es anderen zu ermöglichen, Deutsch zu lernen, hat hier die Möglichkeit mitzumachen, bzw. Vokabeln einzustellen, Sätze in seiner Muttersprache gesprochen zur allgemeinen Hörverfügung zu stellen (dafür müssen Sie allerdings eingeloggt sein).

Wörterbuch ohne Schnickschnack

Ich benutze es fürs Portugiesische, oben in der kleinen, grauen Zeile können Sie aber aus einer ganzen Reihe anderer  Sprachen wählen, auf deren Dictionaries und Foren Sie dann verwiesen werden.

Das Wörterbuch funktioniert in beide Richtungen, ohne daß man dafür erst etwas umstellen müsste, einfach Suchwort auf Deutsch oder Portugiesisch eingeben und los geht′. Links erscheint eine Liste ähnliche Wörter, das ist u.A ganz praktisch für den Fall, daß Sie sich bei der Rechtschreibung vertan haben und eigentlich einen ganz anderen Begriff ansteuern wollten – in der Mitte, alle möglichen Übersetzungen samt Redewendungen und brasilianischer Version.

Im Forum können Sie Fragen zur Grammatik stellen, oder ganze unverständliche Sätze eingeben – geantwortet wird meist sehr schnell, manchmal entspinnt sich eine regelrechte Diskussion über das “Wie sag ich′s korrekt?” Hier lernen Sie auf jeden Fall auch solche essenziellen Dinge wie, daß “uma suite com closet” keinesfalls ein Zimmer mit Toilette ist*.

Von quälenden Kurven und köstlichen Bratäpfeln: mautfrei im Norden Portugals

12. Oktober 2012

Ich ging in der Serra de Barrosa was essen, nachdem ich zuvor im Dorf Fotos gemacht hatte, viel mehr als nötig, wieder einmal verführt durch die Möglichkeiten der Digitalfotografie.

Die Serra (Gebirge) de Barrosa ist der südliche Ausläufer des großen nordportugiesisch-spanischen Geres-Gebirgszuges. “Die große Anzahl von Bächen, Wasserfällen, Berg- und Stauseen macht den immergrünen Park zu den schönsten der iberischen Halbinsel. Mehrere Flüsse durchkreuzen ihn. Zu jedem der Dörfer im Hochland gehört auch Ackerland. Es ist in Anbetracht der gebirgigen Landschaft terrassenförmig gebaut, um das karge Land besser nutzen zu können. Viele traditionelle Häuser sind mit Granitwänden und Reetdächern ausgestattet.”  – um mal der Einfachheit halber Wiki zu zitieren.

Landhaus mit Früchten

Ich geriet aus Versehen zwischen diese durch kleine, enge, äußerst kurvige Sträßlein verbundene Dörfer,  weil ich die bezahlpflichtige Autobahn zwischen Viseu und Aveiro vermeiden wollte, musste aber schließlich aufgeben, selbst die Einheimischen warnten mich vor dem stundenlangen Auf- und Abgekurve, welches in keinem Verhältnis zu den moderaten Mautgebühren stand.
Jedenfalls bekam ich Hunger und kehrte in einem Landgasthof ein, wo ich für 5 Euro ein überüppiges Tagesgericht serviert bekam. Pommes Frites, Reis und Salat zu zwei großen Rinderfleischlappen, und weil man wohl Angst hatte, daß ich davon nicht satt werden würde, noch zwei dicke, rostgebratene, rote Würste dazu. Ach ja, und vorher Brot und Saloio und nachher ein Dessert – der köstlichste Bratapfel, den ich je gegessen habe: innen mit ein bisschen Schnaps und Zimt, außen mit Zucker beträufelt, gläsern gedünstet und auf der Zunge zerschmelzend weich.

“Espigneiro” auf Stelzen

Typisch für diese regenreiche, bodennebelträchtige Gegend sind ihre Maisspeicher, die mittelalterlich anmuten, aber heute noch genauso gebaut werden wie früher: sie stehen auf Stelzen, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Innen liegt der Mais auf übereinander angebrachten Steinplatten, die von Mäusen nicht passiert werden könne, außen sind Belüftungsschlitze, durch die die Luft zirkuliert und deshalb nichts verschimmeln kann.

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