Einkaufen in Portugal: Pingo Doce – Süßer Pinguin
Letztens schrieb ich ja schonmal in diesem Blog über Lidl und Aldi in Portugal, bzw. an der Algarve. Heute will ich Ihnen aber mal meinen absoluten Lieblingssupermarkt vorstellen: Pingo Doce!
Pingo Doce heißt auf Deutsch ‘Süßer Tropfen’ ,und obwohl ich ja sonst phantasiebegabt bin, habe ich nun überhaupt keine Erklärung, bzw. wahrscheinlich eine viel zu phantastische Deutung dafür. Falls Sie, liebe Leser, aber wissen, warum einer der ältesten Supermärkte Portugals diesen Namen trägt, bitte ich Sie mir das mitzuteilen! Bis dahin machen wir Deutschen an der Algarve uns weiterhin einen Spaß daraus und übersetzen ‘Pingo Doce’ mit ‘Süßer Pinguin’. Das ist ja auch nicht schlecht.
Pingo Doce* gibt es über das ganze Land verteilt und hier geht’s erstmal rein:
Und so geht’s dann weiter:
Und so:
Und Ostern so:
Und nicht anders in der Scheuermittelabteilung:
Selten bin ich von einem Supermarkt so begeistert gewesen – und immer wenn ich Zeit und auch wenn ich grad überhaupt nichts einzukaufen habe, sehe ich mal rein. Hier offenbart sich für mich die portugiesische Seele: die ordentliche, die verspielte, die farbenfrohe und die mit dem großen Sinn für die gestalterische Ausgewogenheit.
Letzteres habe ich übrigens schon viel eher entdeckt, damals als mein Sohn circa zwei war und mit gleichaltrigen Portugiesenkindern herumtobte. Die hatten immer so ein Set an, dh. Socken und Hose bzw. Rock und Oberteil und Weste und Jacke und Halstuch und Kappe waren immer aus einem Guss – durchgängig mit Segleschiffen bedruckt oder alles aus dem selben fliederfarbenen Baumwollstoff. Und wenn mal ein Teil davon einen Fleck hatte wurde gleich die ganze Garnitur ausgetauscht.
Denn Portugiesen haben es gerne konform. Konform und bunt. Ruhig die bombomigsten Farben in der schrillsten Zusammensetzung – aber: in Reihe. Das brauchen sie für ihre innere Ausgewogenheit, so wie es ja auch sonst allemal besser ist, sich in Gruppen zu freuen als alleine, oder noch besser: allemann das gleiche, sehr kleine Häuschen am Ortsrand zu haben - in sorgsam aufeinander abgestimmten Farben.
*Pingo Doce als Einkaufsmöglichkeit ist übrigens nur zu empfehlen. Hier gibt es jede Menge einheimische Produkte (besonders hervorzuheben ist die große Auswahl an portugiesischen Kuchen und Keksen), eine riesige Obst und Gemüsetheke, einen extra Metzger, freundliches Personal mit grünen Käppchen und eine Hausmarke, die den Einkauf dort recht preiswert gestalten kann.
Knutschen in den Fluten!
Es ist Sommer an der Algarve und die Küstenstädte voller Feriengäste und die Strände voller Sonnenanbeter und das Meer voller Menschen, die alles mögliche darin machen – Handstand und Hopsen und Quietschen und Toben und Tauchen und Crowlen und Toter Mann.
Es gibt verschiedene Arten wie Menschen ins Wasser gehen. Das ist jetzt mal nicht zweideutig gemeint. Die einen waten langsam rein und stoßen dabei spitze Schreie aus sobald die ersten Wellenspitzen an ihnen hochschwappen – als hätten sie nicht damit gerechnet, dass sowas passieren würde. Andere stürmen rein. Das sind meistens die jüngeren Männer, die in dem Moment einfach vergessen, dass sie keine kleinen Jungs mehr sind – wie man überhaupt in den Wellen vergisst, wer man ist oder wie alt. Da gibt es Hundertjährige, die begeistert auf einem aufblasbaren Elefanten vorbeitreiben – oder ein Grüppchen Senioren, das sich ununterbrochen Bälle zuwirf und dabei jauchzt (Männer) und kreischt (Frauen).
Und Väter spielen endlos Fußball mit ihren Söhnen, bis diese vor Erschöpfung unterm Sonnenschirm zusammenbrechen. Dann dribbeln sie eben alleine weiter, oder andere sohnlose Väter stoßen dazu.
Die Frauen sind meistens weniger aktiv, die rösten sich lieber. Mal auf dem Rücken, mal auf der Seite, mal auf dem Bauch. Wenn alles durchgegrillt ist, gibts Mittagessen aus der Kühlbox. Und die einheimischen Portugiesinnen stricken. Ja – selbst am Strand in der Affenhitze, bei der die Finger quasi an den Nadeln kleben, machen sie das. Es gibt immer ein Geschirrtuch, das noch eine Spitze braucht.
Und die Teenies knutschen. Das tun sie überall und immer. Vielleicht ist mir das in Deutschland früher nicht so aufgefallen, aber ich finde, dass Portugiesen extrem viel knutschen – und besonders gern draußen im Meer. Stundenlang. Ohne Unterbrechung und ohne abzusetzen.
Bis sie schließlich ganz aufgeweicht sind.
Sylt versinkt! – Retten Sie sich an die Algarve!
100.000 Menschen an einem Tag kann Sylt – wie 1974 von Gutachtern der Landesregierung ausgerechnet und als Wohlfühlgrenze empfohlen wurde – gerade noch verkraften, aber inzwischen sind es während der Hauptsaison (und die ist ja so kurz im kalten Norden) schon an die 200.000 geworden – wovon noch etwa die Hälfte in ihren Porsche Cayenne anreist. Das macht zusätzlich 1,5 Tonnen Gewicht, plus Ehefrau, die mit durchschnittlich 75 kg zu Buche schlägt, 2 Kindern (je ca. 40 kg) und im Kofferraum eingeschmuggelter Sekrätärin (58 kg) – zusammen also 1722 kg – und das mal 200.000! Angesichts einer solchen Zahl muss man keine Fachfrau sein um das herannahende Desaster vorauszusehen.
Die Algarve dagegen ist ein Landstrich. Der äußerste Süden Portugals, der also fest am Kontinent verhaftet ist und deshalb einiges an Gewicht verkraften kann. Da kann man dann auch mal locker alleman mit 344400000 kg in die Luft springen. Vor lauter Lust am Leben. Das hat keinerlei geographische Auswirkungen – und wäre eigentlich mal ein gute Aktion.
Denk ich an… Lagos
Betrachte ich Lagos aus einem Abstand von 2500 Kilometern, sehe ich eine vor allem weiße Stadt vor mir. Kubisches Gedränge unter krummen Ziegeldächern, hoch aufragende Schornsteine, maurisches Zierwerk an Balkonen und Terrassen – die Hafeneinfahrt mit ihren langsam eingleitenden Yachten: weißes Tuch gegen blaue Makellosigkeit.
Mittags liegen auf den Rosten in den Gassen ganze Sardinenschwärme, der Algarvio kommt im Sommer nicht ohne seine Tagesportion aus. Aber das ist immerhin noch besser als in der Dose zu landen – eingelegt womöglich in Piripiri und Essig und dann in Köln oder Hamburg von irgendeiner schwangeren Hausfrau verspeist.
Über der Promenade im Luftraum: durchdringende Möwenkonversationen, darunter am Boden: Touristenrufen, Touristenlärmen, Touristenlächeln in Digitalkameras. Verliebte, Verlobte, Hunde, Angler, Senioren, Kinder, Rollschuhfahrer, Jogger, der Bürgermeister beim Verdauungsspaziergang – und vor allem: jede Menge gesottenes, britisches Fleisch.
Meinen ersten Ganzkörpersonnenbrand hatte ich gemeinsam mit meiner Cousine, mit 13 an der Nordsee. Drei Tage und Nächte konnten wir weder sitzen, noch stehen noch liegen, danach sahen wir aus wie teilskalpierte Indianer, dann schlug ich meiner Cousine bei der Morgengymnastik den rechten Schneidezahn aus (sie hatte Kalkmangel) und sie verbrachte den Rest des ohnehin verdorbenen Urlaubs heulend im Ferienappartment – was aber auf jeden Fall eine gute Lösung für ihre Epidermis war.
Damals gab es noch keine extra Sonnenschutzfaktoren für Rothaarige, oder ich erinnere mich zumindest nicht. Ich erinnere mich überhaupt nur an Delial in orange und Piz Buin, das Sonnenöl, in braun, das mein Vater benutzte und ihm seinen typischen ranzigen Sommerduft verlieh.
Insgesamt aber, so habe ich das Gefühl, verbrannte man damals weniger. Oder litt zumindest privater - im abgedunkelten Hotelzimmer unter einem dünnen Laken, ganz still.
Typisch Deutsch II
Ich mache gerade Heimaturlaub – bin gestern aus Faro gekommen und in Weeze gelandet und der Flug war mal ein Vergnügen, die portugiesische Crew gut drauf, ich guter Laune, weil ich ganz vorne saß und Beinfreiheit hatte, Steward und Stewardess heftig miteinander flirteten und zur Sicherheits-Choreografie den deutschen Parfumwerbetext abspielten, woraufhin sie beide in vergnügtes Lachen ausbrachen und sich schnell korrigierten.
Dann parkte ich heute morgen in Düsseldorf auf einem Behördenparkplatz zwischen zwei Containern und sofort kam ein Männlein aus dem gegenüberliegenden Gebäude geschossen und schrie: „So können Sie aber hier nicht stehenbleiben!“
„Warum nicht?“ fragte ich, – das wollte ich wirklich gerne wissen.
„Weil hier kein Parkplatz ausgeschildert ist!“ rief das Männchen, und die Kerben um seinen Mund wurden noch tiefer und runzeliger und trockener, dabei war es sicherlich jünger als ich.
„Beruhigen Sie sich, guter Mann“, wirkte daraufhin meine Mutter beschwichtigend auf das Männlein ein, „meine Tochter hat das nicht gesehen, sonst hätte sie sicher niemals hier versucht zu parken!“ Da setzte ich so wütend zurück, dass Mutter und Knecht entsetzt auseinander stoben. „Es ist der Jetlac“, versuchte meine Mutter nun mein ungebührliches Verhalten zu erklären.
Obwohl der ja nur eine Stunde ist.
Typisch Deutsch
Im Folgenden zitiere ich jetzt mal direkt von der Website portugiesisch-sprachkurs.de, weil ich die dort gegebenen Beispielsatzfetzen für Deutsche so bezeichnend finde:
- estou óptimo – mir gehts super
- tem uma coisa mais barata? – gibt es auch etwas günstigeres?
Das ist nun eine typisch deutsche Fragestellung. Gehen Sie mal in der Ferienhauptsaison durch eine der Touristenhochburgen an der Algarve und lauschen Sie den Gesprächen der vor Ort anwesenden Nationalitäten. Niemand wird sich so ausführlich darüber auslassen was, wo, wieviel gekostet hat, er aber durch ein glückseliges Versehen der Verkäuferin dann doch noch billiger bekommen hat – wie die Deutschen. Und darüber in welche Läden man am besten erst gar nicht hinein gehen sollte, weil es da von portugiesischen Halsabschneidern nur so wimmelt, die ja ohnehin nichts anderes im Sinn haben, als einen übers Ohr zu hauen und das Geld aus der Tasche zu ziehen.
- ninguem mereçe isto – niemand verdient das!
Genau: deshalb genau auf die Preise achten und vergleichen. Das ist das A und das O!
- Amo-te – Ich liebe Dich
Nun, vielleicht sollte man mit diesem Satz im Kurzurlaub insgesamt etwas sparsamer umgehen, aber falls man mehr als drei Wochen bleibt, könnte er hilfreich sein.
- aonde moras? – wo wohnst du?
Das ist eine Frage, die man durchaus stellen kann, allerdings nicht in der Hoffnung schon bald dorthin eingeladen zu werden. Der Portugiese lädt grundsätzlich so schnell nicht zu sich nach Hause ein. Bis es soweit ist, gibt es erstmal zahlreiche Treffen in den Cafés und Bars der Umgebung – und erst nach vielen, vielen Monaten oder gar erst einigen Jahren, wird man in seine Privatsphäre eingelassen – und dann ist meistens seine ganze Buckelige Verwandtschaft dabei.
- Eu gosto muito de ti – Ich mag dich sehr
Das geht schon ehr und kann man bereits nach einer Woche anbringen.
- o tempo é bom – das Wetter ist gut
Damit liegt man im Sommer eigentlich immer richtig.
- O Senhor / a senhora fala alemão? – Sprechen Sie Deutsch?
Diese Frage sollte man sich eventuell ganz sparen. Sie wären sicher auch nicht begeistert, wenn Sie in Ihrer Schenke im Schwarzwald von einem Feriengast zuerst beschimpft und anschließend ärgerlich gefragt würden, ob Sie denn kein Portugiesisch verstünden!? Dabei ist es allerdings so, dass eine beträchtliche Anzahl Portugiesen wirklich Deutsch spricht, oder es zumindestens versteht. Nicht wenige haben sich nämlich in den Siebziger- und Achtzigerjahren in Deutschland als Gastarbeiter verdingt – und sind dann im Alter wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.
Deshalb ist es auf jeden Fall besser, wenn Sie kleine spitze Bemerkungen über Land und Leute für sich behalten, anstatt sie – weil der Depp vor ihnen ja sowieso nichts versteht – lauthals und mit einem herablassenden Grinsen bei Ihrer Ehefrau zum Besten zu geben.
- Chame, faz favor, uma ambulância. – Rufen Sie bitte einen Krankenwagen…
wäre für das Resultat der adäquate, korrekte, portugiesische Satz.









